Jugendraum Grossglattbach e.V.

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22.07.2013

Artikel aus dem Mühlacker Tagblatt vom 20. Juli 2013

Jugendliche schreiben Erfolgsgeschichte

 

Der Jugendraum Großglattbach e.V. feiert sein 30-jähriges Bestehen –

Coverband „Donnerbalken“ stimmt Rocksongs an

Von Daniel Wallinger

Unter ihresgleichen: Philipp Rank, Johannes Drechsler, Nadine Beisser, Tom Hecht und Jakob Nabrotzki (v.li.)
verbringen ihre Zeit am liebsten in der Gemeinschaft, wie hier vor der Konsole. Foto: Wallinger

Seit 30 Jahren besteht der Jugendraum des Stadtteils in Selbstverhaltung – am heutigen Samstag feiert er sein Vereinsjubiläum mit einer Open-Air-Veranstaltung an der Auwiesenhütte. „Eine Erfolgsgeschichte“, findet Horst Lemberg, der den Verein ins Leben rief.

Mühlacker-Grossglattbach. „Könnt ihr denn nicht irgendwo anders bleiben?“, fragte Horst Lemberg die Jugendlichen, die gegenüber seines Hauses, in der Eingangshalle des alten Rathauses, „Radau“ machten. Kurzerhand erklärte der damals 30-Jährige die Kellerwohnung des alten Schulhauses zum Jugendtreff, am 10. Mai 1983 folgte die Eintragung ins Vereinsregister und Mitte der 80er Jahre, als die Lehrerwohnung im Obergeschoss frei wurde, bezog er mit den Jugendlichen das heutige zu Hause des Jugendraums Großglattbach e.V.

„Damals fuhr der letzte Bus nach Mühlacker um 19.30 Uhr“, für die 13- bis 18-Jährigen des kleinen Dorfes mit isolierter Lage sei der Jugendraum die einzige Möglichkeit gewesen, sich mit Ihresgleichen auszuleben, da sie noch keinen Führerschein hatten, erklärt Lemberg. Die Entscheidung, keinen auswärtigen Jugendbetreuer hinzuzuziehen, sei bewusst gewesen. „Wir wollten da niemanden reinhaben, die Jugendlichen sollten unter sich sein.“

Und das sind sie bis heute. „Wir passen hier auf uns gegenseitig auf. Wenn wir sehen, dass einer schon zu viel getrunken hat, dann sagen wir ‚Stopp, jetzt reicht es‘“, erläutert Philipp Rank, heute Vorsitzender des sechsköpfigen Vorstands. Dass das funktionieren kann, zeige die Tatsache, dass es vonseiten der Stadt nie Beschwerden gab, führt der 23-Jährige fort. Auch im Dorf selbst stoße der Jugendraum auf eine große Akzeptanz. Kein Wunder, denn viele erwachsene Anwohner seien in jungen Jahren selbst in das alte Schulhaus gekommen. „Hier wissen sie, wo ich bin und dass wir keine Dummheiten machen“, so der 16-jährige Johannes Drechsler, daher hätten seine Eltern sogar dann nichts einzuwenden gehabt, als er den Jugendraum mit 14 Jahren zum ersten Mal besuchte.

„Die Vereine aus Wiernsheim oder Illingen, mit denen wir damals zusammenarbeiteten, gibt es heute nicht mehr“, stellt Horst Lemberg nicht ohne Stolz fest, das 30-jährige Bestehen des Jugendraums sei eine Erfolgsgeschichte. Das finanzielle Überleben sichert Jahr für Jahr die Präsenz auf dem Mühlacker Straßenfest. Das „Hard-Rock-Zelt Glabbich“ ist das größte auf dem Fest, die hier erzielten Einnahmen wurden in der Vergangenheit für Renovierungsarbeiten, für den Einbau von Toiletten und einer neuen Küche und kürzlich für die Anschaffung eines HD-Beamers verwendet. Darüber hinaus profitieren die Jugendlichen von dem engen Zusammenhalt mit den vorherigen Generationen, die inzwischen berufstätig sind und gerne mit technischem Know-how oder ihrer eigenen Arbeitskraft behilflich sind.

Zweimal pro Woche, montags und mittwochs jeweils von 19 bis 22 Uhr, haben Großglattbachs Jugendliche die Möglichkeit, gemeinsam Filme zu schauen, Musik zu hören, Playstation, Tischkicker und Dart zu spielen oder sich einfach nur mit Gleichaltrigen bei einem Getränk oder Flammkuchenbaguette auszutauschen. Die Rechnung ist ganz einfach: „Zum einen gibt es hier alles, was ich brauche: Essen, Trinken, die Konsole oder den Tischkicker. Und zum anderen sind hier meine Freunde“, bemerkt Jakob Nabrotzki zufrieden. Doch während in den 80er Jahren fast alle Jugendlichen aus dem Dorf Präsenz gezeigt hätten, wie Horst Lemberg informiert, zählten zu den aktiven Mitgliedern heute nur noch ein Kreis von 40 Besuchern im Alter zwischen 14 und 35 Jahren, bedauert Philipp Rank.

Am heutigen Samstag heißt der Verein anlässlich seines 30-jährigen Bestehens auch die ganz Kleinen willkommen: Ab 16 Uhr findet an der Auwiesenhütte ein Kinderprogramm mit Kinderschminken, Basteln, Malen und sonstigen Spielen statt. Ab 20 Uhr heizt die Coverband „Donnerbalken“ ein, mit rockigen Titeln von den Böhsen Onkelz, Die Toten Hosen, AC/DC, Frei.Wild und anderen. Ein Getränke- und Grillstand sorgt für das leibliche Wohl.

Ob sich Horst Lemberg am Samstag auch unter die Gäste begeben wird, steht noch nicht fest. „Ich will keine Kontrollfunktion ausüben“, doch wenn der Verein irgendwann in Schwierigkeiten stecken sollte, werde er da sein. „Es gibt nichts Wichtigeres in einem Dorf wie Großglattbach, als einen Ort, wo die Jugendlichen abhängen und sich lässig geben können.“

 

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